Wie gesund ist die „Essbare Stadt“?

Gepostet am Aktualisiert am

Essbare Stadt
Garten für alle
Foto: EmilyStAubert

Kürzlich bin ich auf einen Artikel von Dr. Ina Säumel von der Technischen Universität Berlin aufmerksam geworden, der bei der Anstiftung Ertomis veröffentlicht wurde. Die Authorin fasst dort den aktuellen Stand und Erkenntnisse zu Schadstoffbelastungen beim Gärtnern in der Stadt zusammen. Außerdem benennt sie Möglichkeiten gegen Belastung von Pflanzen durch solche urbanen Schadstoffe.

Daraus ein paar wichtige Bassagen:

  • „Die drei wichtigsten Ursachen für Schadstoffbelastungen in Stadtgärten sind (1) der Anbau auf kontaminierten Böden (Alloway 2004), (2) die Nutzung von kontaminieretm Wasser zur Bewässerung (Arora et al. 2008) und (3) der Lufteintrag von verkehrs- und industriebedingten Emissionen (Chaney et al. 1984).“ [S. 20]
  • „(…) Schwermetalle verbleiben im Boden und können durch die Veränderung physikalischer und/oder chemischer Parameter wieder mobilisiert und von Pflanzen aufgenommen werden (Bliefert 2002)“ [S. 20]
  • Entscheidend für die Beurteilung, ob Gemüse gesundheitlich unbedenklich ist, ist die Analyse der Biomasse (des Gemüses) selbst [S. 2]. Findet man keine Schadstoffbelastung in einer Pflanze, so kann man damit nicht auf die Unbedenklichkeit aller Pflanzen, selbst nicht aller der selben Sorte schließen [S. 21]
  • Bei Untersuchungen in Berlin auf Blei und Cadmium sind bei 52% untersuchter Blattgemüse höhere Belastungen verglichen mit entsprechendem Supermarktgemüse gefunden worden. Bei Stadt-, Kernobst und Nüssen werden EU-Grenzwerte hingegen selten überschritten;  Säumel et al. fanden gegenüber Supermarktproben häufig deutlich geringere Belastungen im Stadtobst (besonders bei Nüssen). [S. 21]
  • Besonders Straßennähe zeigt sich für Gemüseanbau als problematisch. Weniger als 10m Abstand führen zu 67% überschrittener EU-Bleigrenzwerte; zwischen 10m und 20m waren dies 38%. [S. 21]
  • „Stadtgärten (..) sind Ökodienstleister und fördern als städtebauliche Bindemittel Integration und Partizipation. Nicht zuletzt reduzieren lokale Nahrungsmittelproduktion und lokaler Konsum den Verkehr und den ökologischen Fußabdruck unserer Städte.“ [S. 21]

Vorgeschlagene Maßnahmen

  1. Schutzhecken [oder Wälle] pfanzen zur Abschirmung vor KfZ-Abgasen und anderer Luftverschmutzung; bei baulichen Maßnahmen muss auf schadstoffhaltigen Putz und Farben (z.B. Blei in Farben) verzichtet werden. Sie wirken ästhetisch, biodiversitätsfreundlich und lufthygienisch.
  2. Hoch- oder Tischbeete verringern entgegen landläufiger Meinung die Kontamination nicht; Messungen ergaben sogar leicht schlechtere Bleibbelastungswerte. Die Autorin empfielt in jedem Falle hochwertige Pflanzerde zu nutzen [ich weise noch auf Torffreiheit hin, siehe z.B. BUND oder NABU].

Fazit

Bei gesamtheitlicher Sicht auf das Stadtgärtnern darf die körperliche Betätigung an freier Luft [frischerer als in Betonkulisse ohne Pflanzen und bei Tageslicht], sozialer Austausch und das Erleben (gestalteter) Natur nicht vernachlässigt werden. [S. 23]

Advertisements

6 Kommentare zu „Wie gesund ist die „Essbare Stadt“?

    raka75ewr sagte:
    3. April 2014 um 22:07

    Hier nur ein kleiner, schon etwas älterer Videobeitrag, der auch etwas zu dem Thema passt.

      raka75ewr sagte:
      21. April 2014 um 21:13

      In Berlin startet die Firma ECF Ende diesen Jahres mit Europas größter Aquaponik-Farm. Auf 1800 Quadratmetern sollen jährlich 25 t Fisch und 35 t Gemüse innerstädtisch produziert werden. Dieser Ansatz der lokalen Produktion hat viele interessante Seiten, stellt er doch die lokale Stoff- und Energiekreisläufe in gut optimierter Form dar.

        B. geantwortet:
        22. April 2014 um 12:49

        grundsätzlich sehe ich das auch als viel versprechenden Ansatz (übrigens auch verhältnismäßig einfache Eigenbaumöglichkeiten, mögl. z.B. kann’s die oberste Etage ersetzten, zu oberst dann bsw. Solarzellen…). Problem, soweit ich weiß: Fischfutter muss dem „System“ trotz allem noch von „außen“ zugeführt werden. D.h. in aller Regel Beifang aus Hochsehfischerei zu Fischmehl verarbeitet — und wo dabei die Probleme sind ist ja inzwischen hinlänglich bekannt.

        raka75ewr sagte:
        23. April 2014 um 20:48

        Hier noch ein umfassenderer Artikel, der neben ECF auch weitere Ansätze zum Urban Farming enthält:
        http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=11472&gartnr=91&bernr=01&seite=00

    Claudia Weidt-Goldmann sagte:
    21. März 2014 um 18:43

    Hat dies auf BIOENERGIEDORF KREATIVWERKSTATT rebloggt.

    B. geantwortet:
    12. März 2014 um 12:10

    Im anlaufenden Semester befasst sich die Ringvorlesung (Campus Ulmenstraße, Hörsaal Arno Esch 1, 17:15-18:45 Uhr) mit der Gesundheit in, um und durch Gärten.

    Besonders interessant aus Sicht von Transitioninteressierten scheint mir die Tandem-Vorlesung am 21. Mai 2014. Dann spricht Dr. med. Steffi Kreuzfeld (Institut für Präventivmedizin, Uni Rostock) zu „Aktueller Stand der Ernährungsempfehlungen“ und Prof. Dr. Stefan Porembski (Direktor Botanischer Garten Uni Rostock, Institut für Biowissenschaften, Lehrstuhl für Allgemeine & Spezielle Botanik und Botanischer Garten) zu „Pflanzen als Ressource für gesunde Ernährung im Licht der Rostocker Botanik“.

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s