Gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft startet als „Bunte Höfe“

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5.4. Kartoffeln legen bei 9°C
5.4. Kartoffeln legen bei 9°C. Boden schonend ohne „schweres Gerät“ (Bild: Ralph Vogel)

Es war leichte Arbeit trotz 9°C und etwas Regen. Eine Rostocker SoLawi (Solidarische oder gemeinschaftlich getragene LandWirtschaft) startet nun mit ca. 30 Personen, die entweder nur Ernteanteile nehmen oder auch mal mit anpacken. Der Name: „Bunte Höfe“.

In MV ist das ein Signal: Dieses Bundesland hat rund 400 Tierfabriken, also z. B. bei Hühnern Stallanlagen mit 180 000 bis 900 000 Tieren pro Durchgang. Ein Durchgang dauert bei Masthähnchen 35 Tage. Dann wird „ausgestallt“: Ab in die Schlachthöfe. Nacht für Nacht fahren da 40-Tonner auf schmalen Landstraßen durch die Dörfer. Und weitere Anträge werden genehmigt. Viele Hindernisse für die Landwirtschaft sind bekannt. Die Bodenpreise sind astronomisch geworden. Die industrielle Produktion wird offenbar als Geschäftsmodell ausgeweitet, oft von Investoren, die nicht aus MV kommen. Um den Zustand des Landes geht es dabei überhaupt nicht. Export wird angestrebt, Umweltschäden bleiben geleugnet, Fleisch-Qualität ist überhaupt kein Thema (weil es sie nicht gibt). Einsprüche von Anwohnern werden von den Ämtern nicht zu Ende bearbeitet. Im Zweifel erhält der Unternehmer Sondergenehmigungen, z.B. um kontaminiertes Abwasser in die Gegend ableiten zu dürfen. Die wenigen Amtspersonen der Gewerbeaufsicht sind tatsächlich überfordert, nicht entsprechend ausgebildet oder eingeschüchtert durch Klagen der Investoren.

Dagegen möchten wir die ökologisch verantwortbare Landwirtschaft stärken. Kinder sind dabei; sie behalten auf Jahrzehnte einen Begriff davon, was bäuerliche Arbeit und gute Produkte seien. Mich beeindruckte die Selbstverständlichkeit, mit der neulich sechs kleinere Kinder aus dem Kreis der Bunten Höfe draußen am Mittagessen teilnahmen: Pellkartoffeln aus eigener Ernte mit Butter. Sie griffen herzhaft zu. Kein Ketchup, keine Pommes, nichts extra Gesüßtes. Diese Einstellung auch der Erwachsenen erscheint im Moment wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber alles findet mehr und mehr Interessenten, weil sehr viele Menschen an Bio denken, weil in den Medien Bio wenigstens ein Thema ist. Da in MV 50% der Bio-Supermarkt-Angebote weite Wege hinter sich haben und bis zum Konsumenten — ähnlich wie schon bei konventionellen Handelsketten — mitunter mehrere „Stationen“ durchlaufen, ist Obacht geboten.

Original von: Ralph Vogel

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2 Kommentare zu „Gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft startet als „Bunte Höfe“

    B. geantwortet:
    4. Mai 2014 um 16:42

    Im Monat Mai finden zwei weitere Informationsveranstaltungen statt:

    08.05.2014 um 20:00Uhr in der Waldorfschule Rostock, Feldstraße 48a, 18057 Rostock
    15.05.2014 um 20:00Uhr im Peter-Weiss-Haus, Doberaner Straße 21, 18057 Rostock

    Ihr erfahrt dort u.a. etwas über das Prinzip einer solidarischen Landwirtschaft, über Aufbau/Struktur von “Bunte Höfe” und natürlich über den Weg, den die produzierten Lebensmittel vom Hofe unserer Produzenten bis in Eure Haushalte bzw. die der Konsumenten nehmen.

    B. geantwortet:
    24. April 2014 um 23:45

    Noch ergänzend:

    Bei den Bunten Höfen spricht man mit den Landwirten, ja beteiligt sich selbst beim Vorbereiten der Äcker und Pflegen der Pflanzen, man tauscht sich aus, kümmert sich und darf auch kritische Fragen stellen. Das Prinzip ist, dass Landwirte auch dann ein Auskommen haben, wenn sie auf Qualität statt auf Masse achten. Dieses Auskommen wird von der Gemeinschaft (hier: Bunte Höfe) getragen, auch dadurch, dass mit „angepackt“ wird. Im Gegenzug erhält die Gemeinschaft wertvolle, gesunde Nahrung und ganz nebenbei wird die Umwelt weniger belastet (besonders durch das Einsparen von langen Transportwegen).

    Mehr kann man bei den Bunten Höfen erfahren, auch wie man mitmachen kann (es werden noch hungrige und interessierte Menschen aus der Umgebung von Rostock gesucht).

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