Monat: November 2015

Küchengeschichten bei der Plätzchenparty

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Menschen zusammenbringen, lokale Gemeinschaften bilden ist ein zentrales Thema der Transition Town Bewegung. Dies war auch unser Gedanke, als wir vor 2 Jahren die Küchengeschichten aus der Taufe hoben. Menschen sollten sich außerhalb ihrer üblichen Netzwerke treffen. Beziehungen und neue Netzwerke entstehen, die im normalen Ablauf des Alltags nicht zustandekommen.

Seit dieser Zeit hat sich viel verändert. Die Transition Town Bewegung wurde initiiert, um Wege für eine postfossile Gesellschaft zu finden. Konflikte, die International seit mehreren Jahren schwelen, sind seit diesem Jahr nicht mehr fern, sondern durch eine Vielzahl betroffener Menschen sehr nah. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob diese Konflikte bereits ein Vorläufer der Folgen unseres nicht nachhaltigen Lebensstils sind. Gerade aktuell verweist eine Studie (Climate change in the Fertile Crescent and implications of the recent Syrian drought) auf einen wahrscheinlichen Zusammenhang des syrischen Bürgerkrieges mit einer zuvor herrschenden Dürre, die bereits in den Jahren vor dem Bürgerkrieg über 1 Million Menschen aus den Dörfern in die Städte trieb.

Auch der Peak Oil, also der Zeitpunkt der maximalen Ölförderung, kann eine der Ursachen sein. Syrien hat diesen eigenen Förderhöhepunkt 1996 erlebt, seit dem sind die Exporte sehr schnell gefallen. Dem Staat fehlten zunehmend Einnahmen, zudem mussten gleichzeitig Importe von Ölprodukten und Nahrungsmitteln finanziert werden. Ausgaben, die in den Jahren davor nicht notwendig waren.

Abseits von diesen Vermutungen: Wir haben neue Mitbürger in unserer Stadt, die so schnell wie möglich einen Anschluss finden sollen und wollen. Was liegt da näher, als einige von Ihnen zu unseren Aktivitäten einzuladen und gemeinsam Spaß zu haben. Am letzten Sonnabend im November war es dann in Zusammenarbeit mit Rostock hilft so weit. 3 syrische Familien trafen sich mit Aktiven und Kindern aus unserer Gruppe in den Räumen der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Rostock (noch einmal einen herzlichen Dank an die Gemeinde für die kurzfristige Aufnahme). Nach dem Eintreffen der Teilnehmer ging es schnell los, Teige wurden geknetet, Plätzchen ausgestochen, Kekse geformt. Kleine Gruppen bildeten sich. Es wurde viel erzählt, auch wenn die Sprache manchmal ein Hindernis war. Rezepte lassen sich mit moderner Technik im Smartphone einfach übersetzen. Zum how to der Tätigkeiten findet sich ebenfalls ein schneller Austausch.

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Kulturelle Unterschiede waren nicht spürbar, es gab mehr Gemeinsamkeiten als anfangs erwartet. Innerhalb der Familien existierte z.B. eine Arbeitsteilung, wie sie auch in Mitteleuropa in vielen Familien üblich ist. Berührungsängste waren nicht spürbar. Im Rückblick kam die Möglichkeit zum Deutsch Lernen für die Eine oder den Anderen vielleicht etwas zu kurz. Es entstanden aber eine Menge verschiedener Plätzchen, die im Anschluss in der Unterkunft auch an andere Bewohner verteilt wurden. Natürlich wurde von den Mitgliedern der TT Initiative auch die Tradition erwähnt, in der Vorweihnachtszeit verschiedene süße Sachen zu backen und auch an die Mitmenschen zu verschenken. Schließlich soll die dunkle Jahreszeit auch ihre netten Seiten haben. Ein schöner Nachmittag, der wieder zeigte, es lohnt sich auf unsere neuen Bürger einfach zuzugehen. Wir gewinnen alle und haben viel Spaß dabei.